Mittwoch, den 31. Oktober 2007
Es ist 9 Uhr 30. Das Wassertaxi fährt ab, Richtung Finca 63. Jetzt sind wir routiniert!: Wir werden mit dem Gemeinschaftstaxi nach Guabito, der Grenzstadt zwischen Panama und Costa Rica fahren müssen, sich zum ersten Zollbüro begeben, um unseren Ausreisestempel zu erhalten, die marode Brücke überqueren, zum 2. Zollbüro gehen, ein Formular ausfüllen, den Einreisestempel nach Costa Rica bekommen und den Bus nach Puerto Viejo nehmen.
Um die 12 Uhr haben wir den Zielort erreicht. Bekannte haben uns ein angenehmes Hotel empfohlen. Wir gehen hin. Der Platz ist tatsächlich wunderbar eingerichtet, sauber und gepflegt. Das leicht abgedunkelte Licht, die Farben der tropischen Pflanzen und die in allen Ecken angebrachten Hängematten geben eine warme, gemütliche Stimmung. Man fühlt sich gut.
Nachdem wir unsere Sachen im Zimmer deponiert und uns in einem einfachen und netten Café gesättigt haben, wollen wir den Ort erkunden: Spaziergang durch den Wald, auf dem Strand, im Dorf, Suche eines Supermarktes, um das Nötigste für die morgige Reise zu kaufen, Auskünfte der Buszeiten von Bribri nach Bambú (die uns eigentlich keiner geben kann). Das Abendessen ist reichhaltig und obwohl man in den Gassen Halloween feiert, ist für uns der Abend kurz. Schließlich müssen wir schon um 5 Uhr 45 am nächsten Tag an der Haltestelle des Busses nach Bribri sein.
Donnerstag, den 1. November 2007
Der Bus ist pünktlich. Die Fahrt verläuft problemlos. Eine Stunde in der Stadt Bribri, die größer ist, als erwartet, und der „Jeep Bus“ nach Bambú startet. Kein Ausländer in Sicht und eine spannende Reise für Sensationslustige. Ok, ich übertreibe ein wenig, aber der Bus fährt wirklich über steinige Wege, überquert Bäche, fährt hoch und runter, bevor im Dorf Bambú ankommt. Wir müssen uns zu der Anlegestelle begeben, wo wir mit Guillermo, dem „Chef“ Indianer, verabredet sind. Er kommt, nutzt seinen kurzen Aufenthalt in der Stadt aus, um sich mit Proviant ausrüsten, und wir können dann in den Einbaum einsteigen. Wir müssen den Fluss Sixaola und dann den Yorkin überqueren. Nach einer Stunde Kampf gegen die Steine und die Strömung erreichen wir die vorgesehene Stelle. Von da hat man noch 20 Minuten Marsch im Wald und den Hügeln des Talamancas. Guillermo zeigt uns die Frucht mit der Kakao gemacht wird. Drinnen sieht es wie ein Stück Darm aus, den man leicht zerstückeln kann. Man lutscht die Stücke, es ist etwas glitschig, aber süß und der Geschmack ist angenehm.
Einige Minuten später entdecken wir die Kirche des Dorfes, und allmählich, die Holzhäuser mit ihren aus Palmblättern gemachten Dächern. Ein Traum wird wahr: mitten im Dschungel in einem Indianerhäuschen zu schlafen! Das Dorf ähnelt einem großen Garten: zu den Pflanzen und den tropischen Bäumen findet man auch Maniok-, Nonis- (eine komisch aussehende und schrecklich riechende Frucht, die eine Gesundheitsgarantie wäre) und Pflanzenplantagen für Infusion. Die Haushühner und -katzen scheinen sich gut zu fühlen. Man lernt sofort Marita, die Schwiegertochter von Guillermo, ihren Mann, und ihren sechsjährigen Sohn, Antoni kennen. Mit Marita und Antoni, den wir mit seinem Einverständnis Moogli nennen (wir haben ihm die Geschichte des Dschungelbuchs erzählt) gehen wir in der Umgebung spazieren. Sie zeigt uns einen Baum, dessen Fruchtinneres als Malstoff verwendet werden kann, sie bringt uns zu einer Hängebrücke und zu einem Fluss, wohin Steve zögert, hineinzugehen. Im Gegensatz dazu ist Moogli in seinem Element. Ich bin von seiner Art, sich zu bewegen, fasziniert. Es ist, als ob er die Elemente beherrschen würde. Er bewegt sich mit einer unglaublichen Leichtigkeit und einer extremen Harmonie. Es scheint, als hätte er das Wasser gezähmt oder gar, abgerichtet. Er fürchtet sich vor nichts, nicht einmal vor einem schwimmenden Baumstamm, auf den er durch seinen entwickelten Gleichgewichtssinn klettert, um sich mit der Strömung treiben zu lassen. Ich bin sprachlos.
Zurück im „permanenten Lager“ bereitet Marita das Abendessen vor: Maniokpuffer, Reis und Bohnen. Ich helfe ihr ein wenig. Es ist lustig, den Maniok in der Dunkelheit zu reiben (es gibt nur eine Glühbirne im Wohnzimmer, die so gut wie nichts beleuchtet) und dabei, die Abendbrise zu fühlen und den Regen zu beobachten. Das Essen ist köstlich.
Um 17 Uhr ist es komplett dunkel und es herrscht eine perfekte Ruhe. Man hört nur die Stille der Nacht. Um 19.30 liegen wir im Bett.
Freitag, den 2. November 2007
Das Frühstück ist reichhaltig: Gallo pinto, Rührei, Salat. Wir müssen gut essen denn uns erwartet eine 3stündige Wanderung nach Agua Salud, dem Dorf der Nevo, eines anderen indischen Volkes, auf der Panama Seite. Gegen 8 Uhr sind wir bereit: Gummistiefel für Guillermo und mich, alte Sportschuhe für Steve, ein bisschen was zu trinken und natürlich, den Fotoapparat. Guillermo hält seine Machete schön in der Hand und beschafft uns einen stabilen Stock als Gehhilfe, der sich als sehr nützlich erweisen wird. Der Weg ist schlammig, oft sumpfig, es geht hoch und hinunter, man muss den Fluss (der gleichzeitig die Grenze zwischen Panama und Costa Rica bildet) oft überqueren und das Wasser geht ab und zu bis zu den Oberschenkeln. Der Dschungel und die feuchte Hitze gefallen mir sehr, ich fühle mich gut. Um die 11 Uhr kommen wir zu der Schule von Agua Salud in einer eindrucksvollen Kulisse an: Das Dorf befindet sich auf einer Hochebene, die von Bananenbäumen und tropischem Wald umgeben ist. Es gibt eine Schule und einen Stand, wo man das Wichtigste kaufen kann. Die Einwohner sind sehr beschäftigt: Sie organisieren den morgigen Nationalfeiertag. Anscheinend machen alle mit. Man starrt uns mit großen Augen an. Steve muss ihnen sehr komisch erscheinen. 1,90 Meter hohe Menschen, blond mit hellen Augen haben sie sicher nicht oft gesehen… Die kleinen Kinder sprechen nur die Sprache der Ethnie denn erst in der Schule lernen sie Spanisch. Wir hören lange die „Chiste“ (Art von lustigen Geschichten) des Direktors, dann gehen wir zu den Einwohnern. Ich sehe einen Mann mit dem Kadaver eines unidentifizierten Tieres auf der Schulter. Man schenkt uns ein Glas Sirup. Das Glas ist unglaublich schmutzig und wir wissen nicht, woher das Wasser kommt. Wir müssen einen Grossteil trinken. Ablehnen ist eine Beleidigung. Wir bekommen eine Schüssel Kartoffel mit Fleisch. Meine Vegetarismus rettet uns: Guillermo wusste bescheid und fragt seinen Freund höflich, ob er die Nahrung in eine Tüte geben könnte. Wir würden zu Hause verspeisen. Wir halten am Stand an und kaufen Kleinigkeiten zum Essen und eine Packung Bonbons, die wir den Kindern verteilen. Sie kommen von überall her, als würden sie plötzlich aus dem Nichts erscheinen.
Wir sind beeindruckt, zu sehen, dass es auf der Erde noch Leute gibt, die noch auf diese Art leben. Sie haben nichts und wissen auch nichts, von dem, was in der Welt geschieht. Viele können weder schreiben, noch lesen, sie haben keine Bücher und die nächste Stadt befindet sich 5 oder 6 Stunden Marsch entfernt. Es gibt keine Wege, außer durch den Wald und nicht einmal ein mini Jeep könnte das Dorf erreicht werden. Sie sind von der Welt abgeschnitten. Für mich ist es genau das andere Extrem als New York.
Wir machen uns wieder auf den Weg, reich einer neuen Erfahrung. Es beginnt zu regnen und wir sind glücklich, wenn wir bei den Bri bri ankommen, welche uns plötzlich sehr entwickelt erscheinen. Wir würden für eine Dusche, auch eine kalte, viel geben. Wir haben überall Schlamm. Leider wie am Vortag gibt es am Hahn kaum Wasser. Wir waschen uns, wie wir können, aber sogar das tut gut. Danach wird uns die Herstellung des Kakaos gezeigt: Nachdem man die Stücke der Frucht 4 bis 5 Tage in der Sonne trocken lassen hat, lässt man sie 45 Min lang erhitzen. Dann werden sie mit einem großen Stein zerstampft. Man gibt das Schlechte weg und mischt den Rest mit etwas Zimt und Vanille, bevor man alles mahlt. Nach dem Essen dürfen wir ihn kosten und kurz darauf gehen wir schlafen.
Samstag, de 3. November 2007
Unser Bus fährt von Bambú um 10 Uhr früh. Um ihn sicher zu erreichen, müssen wir von Yorkin um 8 Uhr abfahren. Moogli drängt seine Mutter uns zu begleiten. Die Einbaumfahrt ist schneller, als bei der Hinfahrt, da wir uns diesmal fast nur von der Strömung treiben lassen müssen. Wir bewundern ein letztes Mal die dichte und extrem grüne Vegetation des Talamancas und kommen dann in Bambú an. Wir verabschieden uns, versprechen, dass wir ihnen durch originelle Wege die gemachten Fotos schicken und wir steigen in den Bus Richtung Bocas ein. Wir freuen uns schon auf die mehr, als notwendige Dusche, die wir bald nehmen werden können. Die Reise wird 6 Stunden dauern, denn wir werden 2 Stunden auf das Wassertaxi nach Bocas warten müssen. Aber es ist uns egal, weil das, was wir erlebt haben, rechtfertigte den Tag in den öffentlichen Verkehrsmitteln allemal.
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