Auf Wiedersehen Zentral Amerika, hallo Vereinigte Staaten. Um ehrlich zu sein, freuen wir uns darauf, in ein sauberes und organisiertes Land zu reisen, in dem man nicht die ganze Zeit auf seine Sachen aufpassen muss.
Der Flug verläuft ohne Probleme und die 6 Stunden vergehen sehr schnell. Aus dem Flugzeug: Hunderte Km Wüste (wir überfliegen Mexiko). Die Farben variieren zwischen schwarz, dunkelbraun und grau. Es ist erdrückend. Eine Landschaft ohne Farbe, schrecklich. Tropisches Klima, wo bist du?
Jetzt ist es soweit, wir beginnen den Anflug auf Phoenix. Ich bin total aufgeregt und trotz der Eintönigkeit der Natur, sehr gut gelaunt. Es ist ein komisches Gefühl, eine Mischung aus Aufregung und Faszination. Oh Gott, ich glaube, ich erwarte sehr viel von den Vereinigten Staaten, ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht.
Wir kommen im Flughafen an, wir stoßen auf lächelnde, zurückhaltende, höffliche Leute, die glücklich sind, unsere Fragen zu beantworten, wenn wir eine Auskunft brauchen.
Nach einem köstlichen Essen gehen wir das Auto mieten und schon befinden wir uns auf der nach Norden führenden Strasse, Richtung Williams, einer kleinen Stadt in Arizona, eine Stunde vom Grand Canyon entfernt. Die Landschaft ist genau das Gegenteil von Costa Rica: trocken, karg und die einzigen sehbaren Pflanzen sind Kakteen und Pinienbäume. Man spürt die Trockenheit der Luft: unsere Haut und Lippen ziehen. Schon lange hatten wir das nicht mehr empfunden. Wir bleiben in einer Tankstelle stehen, man fragt uns, woher wir kommen, man heisst uns willkommen in den USA, und jeder gibt uns seinen kleinen „Insider Tipp“, den wir auf keinen Fall verpassen sollen. Wirklich, diese Amerikaner sind unglaublich freundlich.
Wir kommen im Hotel an, sehr bequem und billig, großer Luxus nach Zentralamerika. Wir sind müde, da wir schließlich schon um 4h15 aufgestanden sind (Arizonazeit: 2h15).
Am nächsten Tag: Reichhaltiges Frühstück bei Safeway, dem amerikanischen „Kaufland“, aber 10 Mal besser. Es ist wie ein großer Feinkostladen. Unglaublich, wie das Gemüse und die Früchte aufgeräumt sind… In der Schweiz ist es ein Chaos dagegen! Wenigstens hier gibt es Farben, es scheint, als wäre hier alles aufgeräumt, nur damit es schön aussieht. Mit Sicherheit gibt es einem Lust, einzukaufen.
Wir sind jetzt bereit für den Tag. Grand Canyon, wir kommen! Oops, es liegt Schnee. Und wir trugen noch am Vortag kurze Ärmel und Sommerkleidung. Wir haben nicht einmal eine Jacke. Zum Glück scheint die Sonne und wärmt ein wenig die Luft, und dieses Wunder der Natur lässt uns den eiskalten Wind vergessen. Wir machen Fotos von allen Ecken, wir wollen nichts übersehen. Die Leute reden mit uns, interessieren sich für uns, ich bin beeindruckt von ihrer Offenheit, ihrer Bescheidenheit und ihrer Warmherzigkeit. Dabei habe ich immer die 3 Texaner im Kopf, die Mitleid mit uns gehabt haben, als sie uns auf der Landstrasse spazierend gesehen haben und uns deshalb vorschlugen, ein paar Meilen auf der Ladefläche ihres riesen Pickups mitzufahren. Natürlich haben wir diesen Vorschlag mit Vergnügen angenommen.
Der 2. Tag in Arizona bringt uns nach Sedona, einer kleinen Stadt in den Bergen. Ein Einheimischer hat uns eine „nice“ Strasse empfohlen. „Nice,, nice“?, das nennt er „nice“? Es ist doch nicht „nice“, es ist Wahnsinn! Wirklich in diesem Land kann man alles nur mit Superlativen bezeichnen… Ich bin sprachlos.
Am Mittag sind wir wieder am Flughafen in Phoenix, wo das Flugzeug nach Los Angeles, und dann nach San Francisco auf uns wartet. Ich bin aufgeregt, mir zu sagen, dass ich nach Los Angeles fliege, selbst wenn wir erst mal nur den Flughafen sehen werden!!
Ich habe das Gefühl, eine andere und gleichzeitig so ähnliche Welt zu entdecken. Es ist, als ob ich mich in der Mitte vom tobenden Weltleben befinden würde. Ein grenzloses Freiheitsgefühl, ohne den Eindruck von Unsicherheit, durchströmt mich. Es ist stark. Die Ankunft in San Francisco ist vergleichbar, nur eindeutig kühler vom Wetter her, nicht von den Leuten, die uns weiter begeistern.
Dritter Tag in den Staaten: Besichtigung von San Francisco und Entdeckung einer amerikanischen Stadt mit einem ganz anderen Flair, als dem was wir in Europa unter einer amerikanischen Metropole verstehen: Der Verkehr ist begrenzt, es stinkt nicht, die Straßenbahnen sind sehr alt, und es ist unglaublich ruhig. Die Leute sehen überhaupt nicht gestresst aus und man hört sehr wenig Lärm, sogar die Motoren der Autos sind nicht laut. Das Meer, die Inseln der Umgebung, die Hügel, die Vegetation, all das vermittelt der Stadt eine eigene Persönlichkeit. Aber was mich am meisten interessiert, einmal mehr, sind die Menschen. Es gäbe zahlreiche Beispiele zu erwähnen. Echt, diese Amerikaner sind wirklich besonders und ich muss zugeben, dass sie mich berühren. Eines von den größten Beispielen ist sicherlich diese in der Straßenbahn sitzende und in ihrem Wintermantel eingemummelte Frau, die plötzlich die anderen Passagiere fragte, ob jemand ein Weihnachtslied kenne. Auf einmal fing der ganze Wagen an, „jingle Bell“ zu singen… Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr, hier weht ein anderer Wind und ich verstehe langsam die Lücken von uns Europäern. Für mich sind all diese kleinen Anekdoten nur Details, die tiefere Gründe über den „Erfolg“ von Amerika verstecken, und ich werde dieser Frage nachgehen!
Wir verbringen also 3 Tage in San Francisco, bewundern die Stadt und sagen uns, dass das Leben hier sicherlich etwas Besonderes haben soll. In der 3. Nacht sind wir nicht mehr im Hotel. Am Vortag haben wir in einem extremen Regen den Camper geholt, der für die nächsten 2 Wochen unser Zu Hause sein wird. Achtung, Bonny and Clyde sind unterwegs: wir haben die Maut einer Brücke übersehen und geprellt, wir haben gute 10 Mal eine für Camper gesperrte Strasse benutzt, und Steve ist 3 Mal bei rot gefahren, wobei er ein Mal geblitzt wurde… Wir hoffen, dass die Weiterreise etwas ruhiger wird
Jetzt fahren wir die Westküste entlang. Es ist wunderschön, wir wissen nicht, wohin wir schauen sollen. Links, rundliche Berge, wie ich es mag. Rechts das Meer und eine Landschaft, die zwischen riesigen Stränden und abrupten Kliffs abwechselt. Die Wellen sind enorm, wie alles hier. Wir bleiben stehen, wenn uns etwas gefällt, wir schlafen in Parkplätzen. Die Nächte sind eiskalt und 2 Decken sind nicht zuviel. Die Menschen sind weiterhin so offen und warmherzig, als hätten sie sich das Wort gegeben. Sie empfehlen uns Orte, sie lassen uns Internet kostenlos verwenden, alles scheint einfach und nichts ist ein Problem, kurzum, ich bin immer noch sehr beeindruckt. Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen wird.
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